Gute Presse für SI in der FAZ Artikel vom 3.5.2017

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anläßlich des 65. Jubiläums von SI Frankfurt erschien der folgende Artikel in der FAZ:

Die Arbeit bester Schwestern

Soroptimist International“ ist der weltweit größte Serviceclub berufstätiger Frauen – die Deutschland-Chefin kommt aus Frankfurt

Sie bezeichnen sich als „Schwestern“ und duzen sich. „Gelegentlich werden wir gefragt, ob wir eine Sekte sind. Oder ein Orden“, sagt Barbara Kohl und lacht. Sie ist Direktorin für Regulierungsfragen und Risikomanagement bei der Commerzbank und zurzeit die Präsidentin von SI-Deutschland. SI, das steht für Soroptimist International. Hinter dem Namen verbergen sich mehr als 80000berufstätige Frauen weltweit, die sich in rund 3000Clubs zusammengeschlossen haben. Eintreten wollen sie nach eigenen Worten für Toleranz und Menschenrechte, vor allem aber für die Rechte von Mädchen und Frauen. Kohl findet: „Da gibt es weiterhin viel zu tun.“

Soroptimistin sein hat nichts mit Optimismus zu tun. Der etwas sperrige Name leitet sich ab vom lateinischen „Sorae optimae“, zu übersetzen mit „beste Schwestern“. Organisiert sind die „Schwestern“ ähnlich wie Rotary und Lions Clubs in lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Einheiten. In Frankfurt gibt es zwei SI-Clubs mit knapp 90 Mitgliedern, in Deutschland sind rund 6500 Frauen Soroptimistin, unter ihnen Staatsministerin Maria Böhmer und die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Prominenz ist keine Voraussetzung für eine Mitgliedschaft. Im Gegenteil: „Wir nehmen aus jeder Berufsgruppe möglichst nur eine Frau pro Club auf, suchen Frauen, die Verantwortung tragen“, erläutert Deutschland-Präsidentin Barbara Kohl. „Das kann eine selbständige Kosmetikerin ebenso sein wie eine leitende Angestellte, eine Lehrerin oder die Vorstandsvorsitzende eines Unternehmens.“

Zwingende Voraussetzung sind die Berufstätigkeit und die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren. Und eine Einladung ist nötig: Nur eine Soroptimistin kann eine Kandidatin vorschlagen, die dann mehrmals zu den monatlichen Clubtreffen eingeladen und im Gespräch von den verantwortlichen „Schwestern“ geprüft wird. „Die Chemie muss stimmen“, sagt Kohl. „Aber grundsätzlich brauchen wir möglichst viele verschiedene Kenntnisse und Fähigkeiten.“

Dafür, dass SI schon 1921 in Amerika gegründet wurde und damit kaum jünger ist als die ähnlichen Vereinigungen von Rotary und Lions, sind die engagierten „Schwestern“ relativ unbekannt. „Leider gab es bei uns sehr lange die Einstellung ,Tue Gutes und sprich nicht darüber‘“, seufzt Kohl. Dabei werben allein die mittlerweile 214 deutschen Clubs jedes Jahr rund 1,5 Millionen Euro für soziale Projekte im In- und Ausland ein. „Durch die eingenommenen Gelder werden dann gezielt Hilfsprojekte im jeweiligen Zusammenhang gefördert“, sagt die Deutschland-Chefin. Als internationale Nichtregierungsorganisation ist SI unter anderem bei der Welthungerhilfe und der Unesco akkreditiert.

Die Clubtreffen dienen zum Austausch, zur Information und zur Planung der Projekte. Die „Schwestern“ organisieren Benefizveranstaltungen wie Konzerte, Basare, Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, um Geld einzuwerben; es kommt nicht nur, aber meistens Mädchen und Frauen zugute. So konnten die beiden Frankfurter Clubs in den vergangenen Jahren das Mädchenhaus FEM, die Kinderkrebshilfe der Uniklinik und die Obdachlosenhilfe der Frankfurter Franziskanerschwester Sigrid Ehrlich unterstützen. Erst kürzlich fand ein Benefiz-Diskussionsabend mit Bildungsdezernentin Sylvia Weber von der SPD und der afghanischen Unternehmerin Nadia Qani zugunsten des Frauenflüchtlingscafés Milena in Bockenheim statt.

Den ersten deutschen SI-Club gründeten Ärztinnen, Schauspielerinnen und Unternehmerinnen 1932 in Berlin. Wegen der vielen jüdischen Mitglieder, die im „Dritten Reich“ verfolgt und deportiert wurden oder das Land verließen, kam dessen Arbeit schnell wieder zum Erliegen. 1949 waren es Frauen aus den Niederlanden, die die Berliner „Schwestern“ ermutigten und darin unterstützten, den Club zu reaktivieren. Der erste SI-Club in Frankfurt wurde 1952 mit Hilfe dänischer Soroptimistinnen von der Ärztin und Journalistin Gabriele Strecker gegründet. Nach ihr wurde vor 15Jahren ein mit 2500Euro dotierter Preis benannt, den der Club alle zwei Jahre für herausragendes gesellschaftliches Engagement in der Region vergibt. Preisträgerinnen waren zum Beispiel die scheidende MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer, Fußballspielerin Steffi Jones, Mäzenin Eva Brinkmann to Broxten und die Fotografin Ursula Hillmann.

In den Industrieländern geht es den Soroptimistinnen vor allem um Chancengleichheit. Dazu haben sie zum Beispiel ein Mentoring-Programm aufgelegt, durch das in Deutschland mittlerweile gut 70 junge Frauen auf die Übernahme verantwortungsvoller Positionen vorbereitet werden. Persönlichkeitsbildung, Rhetorik, Führungsstrategien – „prepare to lead“, so lautet das Motto des Programms, in dem Stipendiatinnen durch Mentorinnen und professionelle Workshops „für den nächsten Schritt fit gemacht werden“, wie Barbara Kohl erläutert. Die zierliche Deutschland-Präsidentin glaubt nicht an die These, dass viele Frauen keine Verantwortung übernehmen wollten. „Ich bin wirklich keine Feministin“, sagt sie entschieden. „Aber in unserer immer noch weitgehend männerdominierten Gesellschaft ist es heute noch schwer, die ,gläserne Decke‘ in die Führungsetagen zu durchbrechen.“

Dennoch sind die klassischen Gleichstellungsthemen für die deutschen Soroptimistinnen etwas in den Hintergrund gerückt. Fast prophetisch hatte Kohl zu Beginn ihrer Präsidentschaft das Motto „Selbstbestimmt leben durch Bildung“ ausgerufen. „Denn durch die vielen Geflüchteten in Deutschland haben wir hier plötzlich wieder Themen, die wir lange nicht kannten“, meint sie. So gebe es Frauen, denen die Sprachkenntnisse für einfachste Alltagsaufgaben fehlten. Außerdem wachse die Gewalt gegenüber Frauen: Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung sei nicht mehr überall selbstverständlich. Auf einmal bekam der in der Gründungssatzung jedes Clubs festgeschriebene Kampf gegen „Violence against women“ neue Aktualität.

Der erste Frankfurter Club wird in diesem Jahr 65 Jahre alt, der zweite, genannt „SI Frankfurt Vision“, wurde 2014 gegründet. „Wir werden mehr“, freut sich Barbara Kohl. „Aber wir sind immer noch zu unbekannt.“ Dabei sind sie weder ein Kaffeekränzchen noch eine Sekte.

Stefanie von Stechow

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