Dr. Elke Helpap 85 – leise und weise,

zusammen mit 16 Frauen gründet sie 1995 den zweiten Bonner Club der Soroptimistinnen. Alles, was fortan passiert, ist ohne sie nicht zu denken. Entschlossen wirbt sie für die soroptimistische Idee und begeistert Gleichgesinnte; organisiert Vorträge, sichtet und animiert zu interessanten Veranstaltungen anderer Clubs, erfindet Lusttreffen, die zu Beginn noch nicht so hießen, aber Lust auf gemeinsame Unternehmungen förderten. Benefiz ist ihr Thema und als eine Art Akquisiteurin sammelt sie erfolgreich Sponsoren. In dem Fach ist sie unerreicht – bis heute.

das ist unsere Clubschwester Elke Helpap nicht erst im Alter. Es scheint, als sei sie schon immer bescheiden lächelnd so gewesen, wie wir sie heute wahrnehmen. Aber da ist jede Menge Pfeffer hinter der zurückhaltenden Fassade.

Ihre Präsidentschaften waren fruchtbare Jahre: jede Menge Neuzugänge gehen auch auf ihr Konto. Elke Helpaps Aktionsradius ist mit normalen Maßstäben nicht zu fassen; so werden z.B. die Bregenzer Soroptimistinnen zum Freundschaftsclub und damit sind gut organisierte Fahrten zu den Festspielen Höhepunkte unseres Clublebens. Noch etwas ist ihr wichtig: Jede von uns soll es sich leisten können, dabei zu sein, denn Geld wird nicht für teure Hotels oder Luxuslokale verschwendet. Allenfalls die Kultur kostet, aber die Künstler wollen ja auch leben. Da ist sie großzügig.

Die Ärztin in ihr birgt jede Menge soziale Empathie. Eine ehemalige Patientin, die nach Jahren zur Clubschwester wird, weiß sie in den höchsten Tönen zu besingen: Budgetauflagen – wie sie heute eine große Rolle spielen – waren für Ihre ärztliche Tätigkeit nicht von Belang, nicht sonntags und nicht nachts. Kein Wunder, dass sie in Bonn jeden Schleichweg kennt, denn Patientenbesuche machte sie täglich, meistens in Eile. Sie ist sich treu geblieben, auch wenn sie nicht mehr praktiziert. In der Not steht sie jedem bei. Ob sie gerade aus einem Konzert kommt und in ihrem Handy eine dringende SMS vernimmt, sie ist ganz schnell dort, wo sie helfen kann. Als an Weihnachten 2004 der 1. Tsunami in Südost-Asien Schrecken, Elend und Verwüstung in katastrophalem Ausmaß hinterlässt, sitzt sie schon im Flugzeug mit ihrer Arzttasche und jeder Menge Dollars im Gürtel, die sie vor Ort ganz individuell verteilt.

Eine liebenswürdige Direktheit ebnet ihr jeden Zugang, das ist ihre eigentliche Laufbahn.

Man darf davon ausgehen, dass sie schon im zarten Alter einer Abiturientin genau wusste, was sie wollte. In ihrer Geburtsstadt in Dresden hat sie als Zehnjährige die grausamen Bombennächte erlebt, eine Erfahrung, die geprägt hat. 1950 kommt sie zum ersten Mal in den Westen, ein Jahr später besucht sie schon das Internat des Elisabeth-von-Thadden-Gymnasiums in Heidelberg, wo es ausschließlich „fromm und weiblich“ zugeht, wie sie sagt. Und dann weitet sich der Radius: 1. Semester Medizin noch in Heidelberg, das Physikum macht sie in München, zwei weitere Semester in Berlin, Abschluss München. Überall schließt sie lebenslange Freundschaften. In der Nähe von Salzburg, in Traunstein, findet sie ihre erste Anstellung als Krankenhausärztin und in den nahen Bergen entdeckt sie die Freude an winterlichen Auszeiten beim Skifahren. Hier lernt Elke ihren Mann kennen. Mit Burghard wird sie in Bonn heimisch, drei Jungs und eine eigene Praxis prägen jetzt den Alltag. Nebenher – ganz unglaublich – studiert sie Psychologie. Staunend wird sie für ihren Einsatz und ihr Tempo bewundert, Fotos aus Flensburg sind teure Beweise ihrer flotten Umtriebigkeit. Ihre zahlreichen Enkelkinder kennen es gar nicht anders und halten für selbstverständlich, dass sie alles mitmacht, ja, für den größten Blödsinn aufgeschlossen ist und auch mal nachts mit Leandro im Auto schläft. Direkt vor der Haustür im Turmfalkenweg, weil das eine ganz besondere Erfahrung sein soll, wie der Kleine ihr überzeugend klarmacht. Eine „coole Oma“ haben andere Kinder anerkennend festgestellt, ein seltenes Exemplar!

Und immer noch ist sie unterwegs, selten in Ruhestellung anzutreffen. Fahrten von A nach B unterbricht sie zuverlässig, um die alte Kontakte zu pflegen und das tut sie mit jedem Jahr mehr. Weiß sie denn, wie lange sie oder die Freunde das noch können? erklärt sie staunenden Gesichtern. Kolumbien spukt ihr im Kopf herum, keine Kaffeefahrt, dort hat sich ein ehemaliger Patensohn niedergelassen. Ihn zu besuchen, wäre noch ein Herzenswunsch.

„Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding “, heißt es bei Hugo von Hofmannsthal im Rosenkavalier „Wenn man so hineinlebt, ist sie rein gar nichts. Aber dann auf einmal, dann spürt man nichts als sie.“

An dem Punkt ist sie angelangt und ärgert sich, wie die Zeit ihr heute ein Schnippchen schlägt. Ungeduldig hadert sie mit ihr und kann sich gar nicht vorstellen, mal ohne Druck auf die Zeiger zu schauen. Dabei kann sie sich alles leisten, vor allem Zeit für sich zu nehmen, der Zeit ihrerseits ein Schnippchen schlagen – das ist jetzt zur größten Herausforderung geworden.

(Ute Pauling, 2020)